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Japan: Land der aufgehenden Börsensonne

Sebastian Comment 29. Mai 2024 4 Min. Lesedauer

Für die jüngeren Leser:innen kaum vorstellbar, aber ja, es gab eine Zeit ohne Handys. Dennoch wurde unterwegs Musik gehört. Legendär ist der sogenannte "Walkman", der erstmals 1979 auf den Markt kam und als tragbares Abspielgerät für Musik Kassetten und später CDs abspielte. Der Walkman wurde von Sony erfunden. Unvergessen ist auch der Game Boy, der Millionen von Kindern das Gamen erstmals unterwegs möglich machte. Das alles sind japanische Erfindungen und japanische Marken. Japan war vor der Jahrtausendwende, was die USA heute sind: das Land der neuen Technologien. Auch wenn Japan heute nicht mehr den gleichen globalen Stellenwert innehat, bleibt das Land eine der grössten Volkswirtschaften der Welt. Wenn Sie einen Honda oder Toyota fahren, abends an Ihrer Playstation oder Ihrem Nintendo spielen oder auf Ihrer Yamaha musizieren. Das alles sind japanische Produkte. Auch aus Anlegersicht ist Japan interessant und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Wir zeigen Ihnen in diesem Blogbeitrag die Hintergründe der japanischen Wirtschaft auf und erläutern, wie Sie als Anleger:in das Land der aufgehenden Sonne in ihrem Portfolio berücksichtigen können.

Der japanische Aktienmarkt knackt Rekord 35 Jahre nach dem Crash

Der japanische Aktienmarkt ist jüngst wieder in den Fokus der internationalen Anlegergemeinde gerückt. Der Aktienindex Nikkei 225 hat Ende Februar, nach einem eindrücklichen Aufschwung, erstmals wieder die Höchstmarken aus dem Jahr 1989 geknackt. Der Nikkei 225 gilt als anerkannter Referenzindex, der die Entwicklung der wichtigsten japanischen Aktien zusammenfasst und misst. Der Index umfasst 225 Titel und damit über 85% des frei handelbaren Aktienkapitals. Unter den grössten Positionen befinden sich weltbekannte Konzerne wie Toyota, Mitsubishi, Sony oder Hitachi. In den letzten 12 Monaten hat der Index rund 25 Prozent zugelegt.

Um zu verstehen, was die Hintergründe für diesen langen Weg zurück sind, müssen wir 35 Jahre in die Vergangenheit zurück.

Historischer Chart vom Nikkei 225. Stichtag 28.05.2024, Quelle: finanzen.net
Historischer Chart vom Nikkei 225. Stichtag 28.05.2024, Quelle: finanzen.net

 

Der steile Aufstieg und Fall des japanischen Aktienmarkts

Der Börsencrash in Japan im Jahr 1990 wird auch als "Platzen der Wirtschaftsblase" bezeichnet. In den 1980er Jahren erlebte Japan eine rasante wirtschaftliche Expansion, angetrieben von Spekulationen auf dem Aktien- und Immobilienmarkt. Dies führte zu überbewerteten Vermögenswerten, insbesondere bei Landpreisen. Die Auslöser für den Crash waren eine Überbewertung von Vermögenswerten, übermäßige Kreditaufnahme und sinkende Immobilienpreise.

Als die Blase platzte, fielen die Preise für Grundstücke und Aktien dramatisch. Banken und Unternehmen litten unter erheblichen Verlusten, was zu einer Bankenkrise führte. Dies hatte schwerwiegende Auswirkungen auf die japanische Wirtschaft, die jahrelang unter einer Phase der Stagnation und Deflation litt. Viele Menschen verloren ihr Vermögen, die Arbeitslosigkeit stieg und die Regierung musste umfangreiche Maßnahmen ergreifen, um die Wirtschaft wiederzubeleben.

Die Leitzinsen spielten eine wichtige Rolle beim Börsencrash in Japan 1990. Während der Zeit des wirtschaftlichen Booms in den 1980er Jahren senkte die japanische Zentralbank die Leitzinsen, um das Wachstum weiter anzukurbeln. Diese niedrigen Zinssätze führten jedoch zu einer explosiven Kreditvergabe und einer Spekulationsblase auf dem Immobilien- und Aktienmarkt.

Als die Blase platzte und die Preise für Vermögenswerte fielen, erhöhte die Zentralbank die Leitzinsen drastisch, um die Inflation einzudämmen und die Währung zu stabilisieren. Die hohen Leitzinsen erschwerten es Unternehmen und Privatpersonen, Kredite aufzunehmen und belasteten die bereits angeschlagenen Banken weiter. Dies trug zur Vertiefung der Krise bei und verlangsamte die wirtschaftliche Erholung.

Was bedeutet Stagnation und Deflation?

Stagnation: Wenn die Konjunktur bzw. der Gang der Wirtschaft durch kein oder nur ein geringes Wachstum gekennzeichnet ist, spricht man von Stagnation.

Deflation: Wenn die Preise im Allgemeinen abnehmen spricht man von Deflation. Deflation ist vereinfacht gesagt das Gegenteil von Inflation.

 

Der japanische Patient in der Langzeitpflege

Während die japanische Wirtschaft ab den 60er-Jahren durchschnittlich zwischen vier und zehn Prozent wuchs, änderte sich dies nach dem Crash fundamental. Durch den Preiszerfall in Folge des Crashs sahen sich Japaner mit einem massiven Verlust ihres Vermögens konfrontiert. Der dramatische Vermögensverlust ging in seiner extremen Ausprägung als weltweites Extrembeispiel in die Geschichte ein und gilt bis heute als Abschreckungsbeispiel, was schieflaufen kann. Dieser Schock führte zu einem tief verankerten Umdenken in den Köpfen der Japaner:innen und die Menschen verzichteten darauf, mehr Geld als unbedingt nötig auszugeben. Der Konsum brach zusammen und die Wirtschaft schrumpfte. Dies markierte den Beginn einer lang anhaltenden Stagnation und den Beginn des japanischen Sonderfalls.

 

Neben dem ausbleibenden Wirtschaftswachstum gibt es eine zweite wichtige Dimension, die den japanischen Sonderfall ausmacht, nämlich das tiefe Zinsniveau. Um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, senkte die japanische Zentralbank nach dem Crash kontinuierlich die Leitzinsen. Was wir in Europa und in den USA erst im Nachgang zur Finanzkrise von 2008 kennengelernt haben, war in Japan schon mehr als zehn Jahre früher Realität: Nullzinsen und teilweise Negativzinsen.

Diese Kombination von ausbleibendem Wachstum bei gleichzeitig sehr tiefen Zinsen wird als japanischer Sonderfall oder japanische Zinsfalle bezeichnet. 

Leitzinsen im historischen Vergleich (in %)
Leitzinsen im historischen Vergleich (in %)

 

Wie erklärt sich der Aktienboom in Japan?

Eine hohe Nachfrage nach japanischen Aktien hat zu den Kursgewinnen geführt. Um diese erhöhte Nachfrage zu verstehen, müssen wir die Entwicklung der japanischen Währung – den Yen – näher betrachten.

Der Yen hat in den letzten Jahren deutlich an Wert verloren. Gegenüber der wichtigsten Währung, dem US-Dollar, hat der Yen in den letzten fünf Jahren rund 45 Prozent an Wert eingebüsst. Das heisst umgekehrt, dass japanische Produkte in dieser Zeit für US-Konsumenten um 45 Prozent günstiger geworden sind. Die wichtige Exportindustrie Japans hat davon profitiert, international günstiger ihre Produkte anbieten zu können. Gleichzeitig konnten japanische Firmen, die einen grossen Anteil ihrer Verkäufe im Ausland erzielen, diesen Umsatz umrechnen und damit in Yen gerechnet bessere Zahlen und Renditen ausweisen. Der japanische Aktienmarkt ist unter anderem auch darum vermehrt in den Fokus der internationalen Anlegergemeinschaft gerückt, was ebenfalls ein wichtiger Treiber der erhöhten Nachfrage war und ist.

Wer Aktien kauft, investiert in die zukünftige Entwicklung. Entsprechend sind die Zukunftsaussichten für den japanischen Aktienmarkt von zentraler Bedeutung für die weitere Entwicklung der Nachfrage und die hohen Aktienkurse.

 

 

Länder mit dem grössten Bruttoinlandprodukt (BIP)
Länder mit dem grössten Bruttoinlandprodukt (BIP)

 

Neben dem erwähnten Umsatz- und Gewinnwachstum japanischer Unternehmen gibt es weitere, oft zitierte Argumente, die auch in Zukunft für japanische Aktien sprechen. Mit der Zunahme der Inflation in Japan erhofft man sich "endlich", die deflationäre Spirale verlassen zu können. Dies verspricht Lohnwachstum und mehr Konsum. Ebenso besteht noch ein grosses, brachliegendes Nachfragepotential für Aktien bei Japanerinnen und Japanern. Japaner gelten als Aktienmuffel, aber der Staat kurbelt die inländische, private Nachfrage mit gezielten Steuerprogrammen an. Ebenso wird erwartet, dass diverse Reformbemühungen im Bereich der Corporate Governance dazu führen werden, dass das internationale Interesse an japanischen Investments anhält.

 

Es gibt auch wichtige Argumente, die gegen japanische Aktien sprechen. Die Bewertungen japanischer Aktien sind nicht mehr günstig. Aufgrund der Aktienrally liegen japanische Aktien im Mittel je nach Index bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 bis zu stolzen 30. Die Aussicht auf niedrigere Zinsen in Europa und den USA und leicht steigende Zinsen in Japan dürften den Yen als Währung attraktiver machen mit der Konsequenz, dass der bisherige Nachfragetreiber (der günstige Yen) mindestens in Teilen wegfällt. Auf lange Sicht sollten Investor:innen auch das Damoklesschwert der japanischen Demografie im Hinterkopf behalten. Die japanische Bevölkerung schrumpft, Jahr für Jahr fallen bis zu einer halben Million Konsumenten weg und gleichzeitig fehlt es an qualifizierten Nachwuchskräften.

 

Fazit

Ja, Japan gehört definitiv in ein global diversifiziertes Portfolio.

Im Anlageuniversum von clevercircles steht Ihnen darum der Baustein "Aktien Japan" für Ihr Portfolio zur Verfügung. Dieser Baustein wird mit einem Indexfonds der CS Asset Management AG* umgesetzt, der eine äusserst attraktive Kostenstruktur aufweist und den Index auch langfristig sehr effizient nachbildet. Details zum Indexfonds finden Sie im aktuellen Factsheet.

Sie haben mit hoher Wahrscheinlichkeit von der japanischen Aktienrallye profitiert. Denn japanische Aktien als Anlageklasse sind in allen Anlagestrategien enthalten, die clevercircles für Sie empfohlen hat.

Wenn Sie den Anteil an Japan in Ihrem Aktienteil erhöhen oder reduzieren möchten, können Sie Ihre Anlagestrategie jederzeit individuell anpassen.

 

*Eine baldige Umbenennung im Zuge der UBS-Übernahme wird erwartet.

 

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