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Die Zinsen sind zurück! Sind Obligationen jetzt wieder interessant? Was Sie als AnlegerIn jetzt wissen sollten.

Es war einmal vor langer Zeit, da gab es mitten unter uns Zinsen. Das waren grosse Prozentzahlen und sie waren überall, auf dem Sparkonto, wo wir sie gerne hatten, und auf der Hypothek, wo wir sie nicht so gerne sahen. Dann wurden die Zinsen immer kleiner und kleiner bis sie plötzlich ganz von der Bildfläche verschwanden. Die jüngeren unter uns haben echte Zinsen vermutlich noch gar nie gesehen…

So oder ähnlich könnte man die Zinsentwicklung der letzten Jahrzehnte in Märchenform erzählen. Nun aber sind die Zinsen zurück. Und wie. Die hohe Inflation dies- und jenseits des Atlantiks hat die Nationalbanken gezwungen ihre Geldschwemme zu bremsen und ihre Leitzinsen zu erhöhen.

Wir nehmen dies zum Anlass, das Thema Zinsen und Obligationen aus Anlegersicht einzuordnen und zu erläutern. Mit vereinfachten Darstellungen zeigen wir das Wesentliche auf und führen Sie ein in ein hoch-spannendes und manchmal auch komplexes Feld der Finanzmärkte.   

Beginnen wir mit einem historischen Rückblick.

Wie haben sich die Zinsen langfristig entwickelt?

Seit den 90er-Jahren kennen die Zinsen nur eine Richtung: nach unten. Am Beispiel der Schweizer Hypothekarzinsen lässt sich eindrücklich ablesen, wie sich die Zinsen in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben. Anfang der 90er Jahre musste man für eine 8-jährige Hypothek noch über 6% Zinsen bezahlen. Vor sechs Monaten lag dieser Wert noch nahe bei 1% und nur knapp höher als der Zins für eine 2-jährige Hypothek. In diesem Jahr aber zeigen die Zinsen steil nach oben.

 

Die neue Normalität: Negativzinsen

Was im Jahre 2015 als ausserordentliche Reaktion auf ein ausserordentliches Problem gedacht war, blieb über sieben Jahre quasi unverändert gültig. Im Jahre 2015 hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Mindestkurs des Euros zum Schweizer Franken aufgegeben. Um einen Aufwertungsschock abzuwenden, wurde der Negativzins von 0.75% eingeführt. Diese Art "Strafzins" sollte die Attraktivität des Frankens schmälern.

Seither hat sich viel getan an den Märkten, insbesondere haben die Zentralbanken weltweit fast unlimitiert Geld in die Märkte gepumpt. Damit haben sie ihre eigenen Renditen und Zinsen massiv nach unten gedrückt, zum Teil ebenfalls in den negativen Bereich.

Nun hat die SNB vor wenigen Tagen eine deutliche Zinserhöhung bekannt gegeben. Der Negativzins bleibt zwar noch erhalten, aber mit -0.25% deutlich tiefer. Vor dieser Entwicklung hatte die SNB wenig Spielraum um aus den Negativzinsen wieder herauszufinden, denn das hätte unweigerlich dazu geführt, dass der Franken attraktiver und damit stärker geworden wäre und das wäre schlecht für unseren Export gewesen. Die Ironie der Geschichte: Heute steht der Franken trotzdem fast bei Parität (das bedeutet, ein Franken ist ein Euro Wert) zum Euro, der wichtigsten Fremdwährung aus Schweizer Sicht.

 

Was ist der Unterschied zwischen Zins und Rendite?

Vereinfacht gesagt ist der Zins der Preis dafür, dass eine Person (Gläubiger) einer anderen Person (Schuldner) für eine bestimmte Zeit Geld ausleiht. Es gibt viele verschiedene Zinssätze für alle möglichen Geschäfte und generell gilt, je höher das Risiko, desto höher der Zins. Der Zinssatz wird also i.d.R. vom Gläubiger definiert, so zum Beispiel auch bei einer Obligation (= Anleihe) als Zinscoupon.

Am Finanzmarkt wird der Preis zwischen Angebot und Nachfrage bestimmt. Wenn also zum Beispiel eine Obligation einen tieferen Zins zahlt als der Markt erwartet, nimmt die Nachfrage ab und der Kurs der Obligation sinkt soweit, bis die Gesamtrendite wieder dem Marktzins entspricht.

Nachfolgendes Beispiel (siehe Grafik) soll diesen Mechanismus illustrieren. Zur besseren Lesbarkeit ist das Beispiel stark vereinfacht.

Angenommen Sie kaufen eine zweijährige Obligation A mit 1%-Verzinsung (entspricht Zinscoupon). Der Marktzins liegt ebenfalls bei 1% (rot in Grafik). Sie erhalten also für jedes Jahr je ein Prozent Zins, das macht bei 100 Franken je einen Franken pro Jahr, also zwei Franken insgesamt. Zusätzlich erhalten Sie am Ende der Laufzeit den Nominalwert zurück, also die 100 Franken. In der Gesamtbetrachtung haben Sie mit 100 Franken Einsatz, 2 Franken Gewinn in 2 Jahren erzielt. Dies entspricht einer Rendite von 1% und diese entspricht dem Marktzins von 1%.

Soweit ganz einfach. Was aber passiert, wenn der Marktzins steigt?

Gehen wir nun davon aus, dass sich der Marktzins von 1% auf 2% erhöht. Sie würden die gleiche Obligation A nicht für 100 Franken kaufen, denn diese ist ja nur mit 1% verzinst, statt mit 2% wie der Marktzins. Die Nachfrage geht also zurück und ebenso der Preis der Obligation. Wenn die Obligation nur noch 98 Franken kostet, ist es für Sie wieder fair, die Obligation zu kaufen. Sie erhalten am Ende der Laufzeit 100 Franken zurück, also 2 Franken mehr, als Sie bezahlt haben plus die beiden Zinszahlungen von je 1 Franken. Insgesamt haben Sie also mit einem Einsatz von 98 Franken 4 Franken Gewinn erzielt. Dies entspricht in etwa einer Rendite von 2% und damit dem neuen Marktzins von 2%.

Wenn Sie im obigen Beispiel die Obligation bei einem Marktzins von 1% gekauft hätten und der Marktzins nun aber auf 2% gestiegen wäre, würden Sie entsprechend auf Ihrer Position einen Wertverlust von rund 2% sehen (von 100 auf 98). Das ist das sogenannte Zinsrisiko. Wenn also die Zinsen steigen, riskieren Sie mit bestehenden, tiefer verzinsten Obligationen, Kursverluste. Diese sind aber – und das ist ein sehr wichtiger Punkt – zeitlich begrenzt auf die Laufzeit. Denn am Ende der Laufzeit, erhalten Sie den Nominalwert zurück. Damit wird auch klar, dass das Kursrisiko abhängig ist von der Laufzeit der Obligation, je länger, desto höher das Zinsrisiko und umgekehrt (siehe Kasten zur Modified Duration).

So kann das Zinsrisiko gemessen werden: Modified Duration                                                                                                                                                   
Basierend auf einer finanzmathematischen Annäherung lässt sich eine Aussage darüber machen, wie stark die Obligationenkurse sich verändern, wenn der Marktzinssatz sich um einen Prozentpunkt verändert. Die Modified Duration ist also das übliche Mass des Zinsrisikos einer Anleihe. Je höher die Zahl, desto anfälliger sind die Kurse bei steigenden Zinsen, und umgekehrt, desto mehr steigen die Kurse bei sinkenden Zinsen. Aber auch hier gilt, es handelt sich jeweils um eine Annäherung, die bei kleinen Zinsänderungen sehr treffsicher ist, bei grösseren Zinsänderungen deren Aussagekraft aber abnimmt.

Als stark vereinfachte Faustregel lässt sich sagen; der Kurs einer Obligation nimmt um ein Prozent zu (bei sinkendem Marktzins) bzw. ab (bei steigendem Marktzins) pro Jahr Laufzeit und pro Zinsänderung des Marktzinses um jeweils einen Prozentpunkt. Eine fünfjährige Obligation verliert nach Faustregel also rund 5 Prozent an Wert, wenn der Marktzinssatz um einen Prozentpunkt nach oben geht.

Neben dem Zinsrisiko gibt es im Bereich der Obligationen auch das Ausfallrisiko - das Risiko also, dass eine Schuld nicht zurückbezahlt wird. Dieses Risiko wird mit sogenannten Ratings eingeschätzt, wobei die höchste Schuldnerqualität jeweils mit der Höchstnote AAA beschrieben wird. Alle Obligationenfonds im Anlageuniversum von clevercircles beschränken sich auf die oberste Qualität von Schuldnern, oftmals sind das Staaten oder staatsnahe Betriebe. Entsprechend kann das Ausfallrisiko hier ausgeklammert werden.

 

Lohnt es sich wieder in Obligationen zu investieren?

Die kurze Antwort: Ja, aber…

Die lange Antwort:

Die Rendite für 10-jährige Bundesobligationen der Eidgenossenschaft liegt aktuell bei über 1.3%. Zum Vergleich: Anfang Jahr waren die Renditen noch im negativen Bereich. Für Anleger bedeutet dies, dass man für Obligationen wieder mit einer vernünftigen Rendite rechnen kann, ohne dass man spekulieren muss, dass die Marktzinsen nach unten gehen.

 

In den beiden für Obligationen in Schweizer Franken verwendeten Indexfonds/ETF im clevercircles Universum (siehe Tabelle nachfolgend) lagen die Verfallsrenditen (d.h. die Rendite, wenn man die Obligation bis zur Rückzahlung behält) schon Ende Mai bei knapp 0.9% für kurze Laufzeiten und gar bei knapp 1.5% für längere Laufzeiten. Für Juni dürften die Zahlen noch höher liegen.

Übersicht der im clevercircles Anlageuniversum verwendeten Anlagebausteine für Obligationen (Indexfonds bzw. ETF)
Übersicht der im clevercircles Anlageuniversum verwendeten Anlagebausteine für Obligationen (Indexfonds bzw. ETF)

 

"Anleihen erwachen aus der Totenstarre" schreibt jüngst die NZZ zu diesem Thema. Wir erleben stürmischen Zeiten und festverzinsliche Anlagen werden mit zunehmenden Renditeaussichten wieder interessanter. Dies vor allem im Portfoliokontext als Diversifikation zu anderen Anlageklassen. Es gilt allerdings zu beachten, dass die Renditen jeweils auf Verfall gelten, das bedeutet "zum Ende der jeweiligen Laufzeit". Dazwischen kann es unter Umständen auch zu starken Kursschwankungen kommen, wenn die Marktzinsen steigen. Ebenso sind auch zusätzliche Kursgewinne möglich, wenn die Zinsen während der Laufzeit sinken.

 

Mit Dollar-Obligationen lassen sich höhere Renditen erzielen, weil die Zinsen in den USA deutlich höher sind. Schweizer Anleger, die in Dollar investiert waren, haben bis vor Kurzem zusätzlich von der Hausse des US-Dollars zum Franken profitiert. Der Dollar hatte seit Anfang Jahr fast um 10% zugelegt, bevor er nach dem SNB-Entscheid wieder innert kürzester Zeit mehrere Prozente verlor. Darum empfehlen die meisten Experten, Fremdwährungsrisiken vor allem im festverzinslichen Bereich abzusichern. Das geht ganz einfach mit clevercircles. Wie, das erfahren Sie hier.

 

Fazit: Nach einer sehr langen Durstphase gibt es wieder positive Renditen zu verdienen mit Obligationen. Aber stellen Sie sich darauf ein, dass es noch einige Male "rumpeln" wird. Ebenso sind weitere Zinserhöhungen zu erwarten, es macht darum Sinn, Schritt für Schritt Obligationen wieder aufzubauen und nicht alles auf einmal.

Lesen Sie den folgenden Blogbeitrag zum Thema Bärenmarkt: Was tun wenn der Bär kommt?


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